
An den Ufern des Balatons finden wir vulkanische Kuppen, sanfte Hügel und besondere mikroklimatische Zonen vor, die zur Herstellung individueller Weine in einer Kulturlandschaft, die in den vergangenen tausend Jahren entstand und gepflegt wurde, beitragen. Forschungen seit Anfang des 19. Jahrhunderts zeigten, dass es kaum einen Ort gibt, dessen Geologie, die sich auch auf den Weinanbau auswirkt, offenbarer wäre, als der Balaton und seine Umgebung.
Zu dieser Region gehören am Nord- und Südufer des Sees sowie westlich davon insgesamt sechs Weinregionen, die jeweils über individuelle Eigenschaften und eine besondere Geschichte verfügen. Die Witterungs- und Bodenverhältnisse der Weinregion am Balaton bieten in erster Linie günstige Anbaubedingungen für den Weißwein, aber auch Rotweine von hervorragender Qualität werden hier gekeltert. Darüber hinaus ist auch die Herstellung von Sekt von Bedeutung.
WEINE, SEKTE
Die Weingegend Balatonboglár liegt am Südostufer des Balatons. Die vorherrschende Bodenart ist der Lößboden. Für diese Gegend sind vor allem leichte, elegante und harmonische Weißweine und Sekte charakteristisch, aber es werden auch gute Rotweine gekeltert.
Balatonboglár – Vincent Prestige Brut 2005 (Weingut Garamvári)
Das Jahr 2005 war für die Herstellung von herausragendem Sekt mit schönen Säuren besonders geeignet. Den Grundwein für den besonders trockenen Sekt (Brut) bilden zwei Burgunder Rebsorten, Pinot noir und Chardonnay. Die Farbe des Sektes ist ein mittleres Zitronengelb; er perlt fein und gleichmäßig. Toast, Blumen, Zitrusfrüchte und Obst finden sich unter seinen geschmacklichen Noten. Ein eleganter Sekt, harmonisch, leicht hefig, besticht er auch im Mund mit angenehm aufregenden, erfrischend perlenden, aber ausgeglichenen Säuren.
Balatonboglár – ’Gesztenyés’ Rheinischer Riesling 2007 (Ottó Légli)
’Gesztenyés’ (Kastanienhain) ist der Name der Flur, auf der dieser kaum vier Hektar große Weinberg mit Rheinischem Riesling liegt. Wegen des besonderen Jahrgangs befanden sich 2007 unter den verlesenen Trauben auch einzelne Beeren mit Botrytisbefall, wodurch sich dieser Riesling bereits beim ersten Verkosten als einzigartige Spezialität auch neben den Rieslingen des Elsass, der Mosel und vom Rhein erwies. Die Vergärung des Mosts begann in Stahltanks, ehe der Wein zum Reifen in Eichenholzfässern mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern geleitet wurde. Das Ergebnis ist ein edler, schön trockener Wein.
Die Weingegend Nagy-Somló wurde nach einem einstigen Vulkan, dem Somló-Berg benannt. Ihr vulkanischer Boden mit dem pannonischen Sand und dem sich mit Löß vermischenden Basalt und Basalttuff verleiht den Weinen einzigartige Eigenschaften. Auch diese Landschaft ist traditionell eine Weißweinregion. Die fünf zum Anbau empfohlenen Rebsorten sind Furmint, Juhfark (Lämmerschwanz), Welschriesling, Lindenblättriger und Traminer. Sowohl der Furmint als auch der Juhfark aus Somló sind seit Jahrhunderten die Weine für die Hochzeitsnacht, was ihren besonderen Eigenschaften zu verdanken ist.
Nagy-Somló – Furmint aus Nagy-Somló 2008 (Imre Györgykovács)
Der als Hungarikum geltende Furmint ist eine der wertvollsten Rebsorten des vulkanischen Somló-Bergs (Furmint kennt man sonst noch aus Tokaj). Die Trauben des jungen Weinberges reifen nahe dem Gipfel des Berges, unter den Felsen. Neben der Fruchtigkeit der Trauben trifft man auch auf den mineralisch, salzigen Geschmack, der für das Terroir charakteristisch ist. Es ist ein Wein mit einem langen, nachhaltigen Abgang. Seinen Geschmack kann man sogar noch nach Tagen spüren und neu durchleben. Ein traditioneller Wein, der im Fass vergoren und gereift wurde und über ausgeglichene Säuren verfügt, kurz: Ein wahrhaftig besonderer, trockener Wein.
Nagy-Somló – Juhfark Cuvée von Somló 2009 (Weingut Laposa)
Juhfark (dt.: Lämmerschwanz) ist eine autochtone ungarische Sorte, die ihren Namen von der Form ihrer Traube hat, die an den Schwanz des Schafes erinnert, lang und zylinderförmig ist. Die Sorte ist typisch für die kleinste Weingegend Ungarns, den Somló-Berg, und reift hier zu ihrer besten Qualität heran. Das Jahr der Weinlese war für diese besondere Sorte sehr günstig und aus den Trauben entwickelte sich dank ihres hohen Säuregehalts und Oechslegrads ein schöner trockener Wein mit lang anhaltendem, vollem Geschmack. Der Wein ist eine Cuvée aus zwei für die Gegend charakteristischen Rebsorten, dem Juhfark und dem Welschriesling. Ein individueller Wein, den man nirgendwo anders findet.
Die nach dem Balaton-Oberland benannte Weingegend teilt man in drei Anbaugebiete mit einzigartigen Naturschönheiten im Hügelland nordwestlich des Balatons. Zu den wichtigsten Rebsorten der Gegend gehören der Welschriesling, Grauer Mönch sowie Zenit, Chardonnay, Traminer und Muskateller.
Balaton-Oberland – Zenit – Spätlese von der Áldozó-Flur 2003 (Sándor Tóth)
Zenit ist eine Reborte, die 1951 in Ungarn gezüchtet wurde. Aus ihren Trauben kann ein angenehm duftiger, geschmacklich reichhaltiger Wein mit angenehmen Säuren gekeltert werden. Die Rebsorte neigt zur Bildung von Aszú-Beeren. Der Zenit Spätlese der Flur Áldozó ist ein spät gelesener Wein einer Spitzenlage, die Áldozo-Flur ist doch ein geschütztes Anbaugebiet. Die Bezeichnung „Spätlese“ kann bis zum 13. Jahrhundert, bis zu den Königen des Árpádenhauses zurückverfolgt werden.Es ist die Bezeichnung für eine reife, spät gelesene, süße Weinspezialität mit Ausbruchcharakter und dem Geschmack von Dörrobst. Eine wahre Spezialität.
Die Weingegend Badacsony erhielt ihren Namen vom emblematischen Berg des Balatons und von der Kleinstadt an dessen Fuß mit dem gleichen Namen: Badacsony. Die Einzigartigkeit der Weine ergibt sich aus dem Basalt der verwitterten Kuppe des einstigen Vulkans. Die typischen Rebsorten von Badacsony sind der Graue Mönch, der Traminer, der Muskat Ottonel, der Welschriesling und der Blaustengler. Wie es für Basaltgegenden so typisch ist, sind diese Weine gehaltvoll und individuell.
Badacsony – Grauer Mönch 2008 (Huba Szeremley)
Dieser schöne, charaktervolle Wein mit frischem Holunderblüten- und Akazienduft, besitzt eine leuchtend grünlich-gelbe Farbe und stammt aus einem hervorragenden Jahrgang. Sein mineralisch-vulkanischer, basaltiger Charakter und seine markanten Säuren sind ein gutes Beispiel für die Kraft und Besonderheit der Weingegend. Der Graue Mönch ist der Wein schlechthin in dem Anbaugebiet von Badacsony. Das Terroir unterscheidet diesen Wein von den anderen Grauen Mönchen der Welt. Die Faßvergärung, harmonische Säuren, Eleganz, ein charakterstarker Geschmack und Duft kennzeichnen diesen Wein.
Die Weingegend Baltonfüred-Csopak wird durch Weinberge, die bis zum Balaton reichen, durch südliche, südöstliche Lagen, Täler, Hanglagen und Böden von guter Qualität charakterisiert. Obwohl diese Gegend im nordöstlichen Teil des Balatons eher für ihre Weißweine bekannt ist, kann auch aus den Rotweinsorten ein guter Qualitätswein gekeltert werden. Die charakteristischen Rebsorten sind ähnlich wie auch in den übrigen Weingegenden der Weinregion des Balatons der Welschriesling, der Graue Mönch, der Rheinische Riesling, der Riesling Silvaner und der Chardonnay.
Balatonfüred-Csopak – Szilénusz (Silenos) 2007 (Figula Mihály)
Silenos war der Lehrer und Begleiter von Dionysos, dem Gott des Weines. Bei der Herstellung des Weins wurden die Trauben der schönsten Lagen des Weingutes gemeinsam gelesen und gemeinsam vergoren, so wie es in dieser Weingegend einst Gewohnheit war. Der Szilénusz ist eine Cuvée von Welschriesling, Pinot gris (Grauer Mönch) und Sauvignon blanc. Der Wein wurde in einer Zweitbelegung von 225-Liter-Fässern vergoren, ehe man ihn achtzehn Monate lang reifen ließ. Eine harmonische Komposition des Geistes der Vergangenheit und der Gegenwart.
Sándor Csíki

Péter Györkös ist der bei der Europäischen Unionakkreditierte Botschafter Ungarns. Der Diplomat leistet seinen Dienst dort, wo er von seinen Vorgesetzten eingesetzt wird; Péter Györkös ist jedoch auch durch „persönliche Bande” mit seiner jetzigen Aufgabe verbunden: Seit nunmehr zwanzig Jahren beobachtet er aus greifbarer Nähe den Prozess der europäischen Vereinigung und arbeitet auch innerhalb seines jeweiligen Aufgabenbereiches daran.