
Von den Ungarn ist allgemein bekannt, dass sie gern essen und trinken, deshalb lohnt es sich anzuschauen, was auf der charakteristischen rot-weiß-karierten Tischdecke nicht fehlen darf. Das gemahlene rote Paprikapulver und die scharfen Gewürze sind unentbehrliche Zutaten der ungarischen Küche. Das mit Rindfleisch zubereitete Gulasch ist unter ausländischen Gästen das beliebteste Gericht, aber auch die Hühnersuppe nach Újházi-Art, die Fischsuppe nach Bajaer, Szegediner oder Badacsonyer Art und das Bohnen-Gulasch dürfen nicht vergessen werden. Auch bei den Hauptgerichten darf der Paprika nicht fehlen, wie zum Beispiel beim gefüllten Kraut und den verschiedenen Arten von Pörkölt. Bei den Desserts sind Cremegebäck und Torten beliebt, insbesondere die mit Karamellmasse überzogene Dobostorte, eine Kreation des Konditors József Dobos.

An Festtagen beginnt das Essen meist mit Spirituosen, die für den notwendigen Appetit sorgen. In den meisten ungarischen Familien kann nur der aus ausgezeichnetem ungarischem Obst (aus Aprikosen, Zwetschgen, Birnen, Äpfeln, Quitten oder Kirschen) gebrannte Pálinka in Frage kommen. Dieses Getränk dient nicht nur als Aperitif, sondern ist ein unerlässlicher Begleiter bei den meisten Treffen unter Freunden. Beim Schlachtfest ist es der Motor der Arbeiten. Schlachtfeste sind heute noch in Dörfern und kleineren Städten auf dem Land üblich; bei solchen Anlässen können dann für ein ganzes Jahr Vorräte von Kolbász (Trockenwurst), Schinken, Leberwurst, Schlachtwurst und Presskopf angelegt werden.
Neben dem ungarischen Pálinka sind auch die ungarischen Weine sehr bekannt. Der berühmteste süße weiße Dessertwein ist der Tokajer Aszú (Ausbruch). Unter den trockenen Weißweinen gehören der Badacsonyer Grauburgunder und der Tokajer Furmint, unter den Roten die Gewächse aus Eger und Villány zu den bekanntesten.

Ungarn ist außerordentlich reich an Heil- und Thermalwässern. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Ungarnbesuchern zahlreiche Thermalbäder zur Verfügung stehen. Allein in Budapest gibt es fünfzehn Heilbäder. Die Badekultur der ungarischen Hauptstadt begann in der Zeit der osmanischen Besatzung aufzublühen und erfreut sich seither einer ununterbrochenen Beliebtheit. Zu den berühmtesten Bädern zählen das Széchenyi-Bad und das Gellért-Bad, wer aber gern ein türkisches Bad besuchen möchte, sollte das Király-Bad oder das Császár-Bad besuchen. Außerhalb der Hauptstadt gibt es unter anderem in Zalakaros, Cserkeszőlő, Hévíz, Hajdúszoboszló und Harkány die Möglichkeit, Körper und Seele maximal zu verwöhnen.
Auch die Puszta mit ihrer Flora und Fauna sind ein einzigartiger ungarischer Schatz, der gut die Harmonie der unberührten Natur und der menschlichen Tätigkeitveranschaulicht. Ein Puszta-Gebiet, Hortobágy, wurde 1973 auch zum allerersten Nationalpark Ungarns gewählt. Neben der natürlichen Tierwelt sind die dort lebenden Nutztiere zu Symbolen der Region geworden. Zwar gibt es nur noch sehr wenige „richtige” Schafhirten, aber im Interesse des Fremdenverkehrs werden autochthone ungarische Graurinder, Mangalicaschweine, Zackelschafe, ungarische Pferderassen und Geflügelrassen gezüchtet. Daneben werden die traditionellen ungarischen Hirtenhunderassen Kuvasz, Komondor, Puli und Pumi gehalten.
Das Bild der Puszta und der unendlichen Ebene bildet auch den Gegenstand zahlreicher Werke der bildenden Kunst und der Folklore. Der Volkskunst kommt in Ungarn bis heute eine wichtige Bedeutung zu. Jede Region verwendet charakteristische Motive. Auf den sehenswertesten Werken – wie zum Beispiel auf den Stickereiarbeiten aus Kalocsa oder der Matyó-Region – stehen die Rose, der Mohn, die Tulpe und das Vergissmeinnicht im Mittelpunkt. Das Pinseln und Nähen sind für Frauen, das Holzschnitzen und die Töpferei für Männer typisch.

Im Zusammenhang mit der Volkskunst müssen auch die Volkslieder und Volksmärchen erwähnt werden. Diese Schöpfungen, die oftmals auf Volksweisheiten oder Sprichwörtern beruhten, wurden von Mund zu Mund weitergegeben und während der gemeinschaftlich verrichteten Arbeit entwickelt. Der Volkstanz und die Volksmusik sind ebenfalls für die einzelnen Regionen charakteristisch. Ihre bis heute existierenden Sammlungen sind den weltberühmten ungarischen Komponisten Béla Bartók und Zoltán Kodály zu verdanken, die die Werke der ungarischen Volksmusik erforscht und katalogisiert haben.
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Einer der bekanntesten ungarischen Volksbräuche ist Fastnachtsumzug in Mohács, bei dem der Winter beerdigt und der Frühling begrüßt wird. Die Teilnehmer vertreiben in Schafsfelle gehüllt und hinter furchterregenden, aus Holz geschnitzten Masken den rauen Winter. Der andere auch heute lebendige Volksbrauch ist mit dem Osterfest verbunden. Am Ostermontag begießen die Jungen die ihnen bekannten Mädchen mit Wasser oder Parfüm, damit sie auch im kommenden Jahr „blühen“. Dafür erhalten sie von den Mädchen handbemalte rote Eier, auf denen oftmals Volkskunstmotive zu sehen sind. Ein mit Weihnachten zusammenhängender Volksbrauch ist das Krippenspiel, das heutzutage immer mehr in Vergessenheit zu geraten beginnt. Diese Tradition wird auf Schul- oder Kirchenfeiern bewahrt und gepflegt. Das Mysterienspiel zeigt die Geschichte der Geburt Jesu. Früher gingen die Schulkinder von Haus zu Haus und trugen ihre Vorstellung vor, im Gegenzug wurden sie von den Hausbewohnern bewirtet.
(Exklusivartikel für die Ratspräsidentschaft von "Múlt-kor", der Internetseite für Geschichte)