Berühmte ungarische Fotografen

Article date: 2011-07-01 16:48 Last modified date: 2011-07-12 15:46

Es gibt keine andere Kunstgattung, die die Menschheit mit so vielen weltberühmten Schöpfern ungarischer Herkunft beschenkt hätte, wie die Fotografie.

Wenn von Kriegsfotografie die Rede ist, kommt beinahe jedem Robert Capa in den Sinn. Der 1913 als Ernő Friedmann in einer Budapester jüdischen Familie geborene Künstler suchte später sein Glück in Berlin. Capa hat über fünf verschiedene Kriege berichtet und wurde einer der Unsterblichen der Fotojournalistik. Robert Capa wurde mit seinen erschütternden Bilderessays über den spanischen Bürgerkrieg bekannt, er war aber auch beim zweiten chinesisch-japanischen Krieg, bei der Gründung des Staates Israel und beim ersten Indochinakonflikt dabei.

Weltruhm errang er im Laufe des Zweiten Weltkriegs, als er, sein Leben aufs Spiel setzend, die Landung in der Normandie von der Frontlinie aus in dichtem Kugelhagel dokumentierte. Sein berühmtestes Foto trägt den Titel „Tod eines spanischen Milizionärs“ (1936), dessen Echtheit praktisch seit der Entstehung umstritten ist, da laut Meinung einiger Robert Capa das Bild gestellt hat.

Der Fotograf gründete 1947 zusammen mit Henri Cartier-Bresson, William Vandivert, David Seymour und George Rodger die Fotoagentur Magnum. Robert Capa ereilte das Schicksal im ersten Indochinakrieg, als er am 25. Mai 1954 auf eine Mine trat und ums Leben kam. Es verrät viel von seinem Berufsverständnis, dass er sogar noch auf dem Sterbebett seine Kamera in den Händen hielt.

Von keiner Liste berühmter Fotografen fehlt André Kertész (geboren als Andor Kertész), der ebenfalls die zwangsweise Emigration wählte und seine Laufbahn mit Aufnahmen von Soldaten begann. Der Fotograf, der aus Ungarn zuerst nach Paris zog, dann von dort vor den Greueltaten der Nazis in die Vereinigten Staaten flüchtete, gilt als einer der Größten des künstlerischen Dokumentarismus.

Die berühmteste Aufnahme seiner schöpferischen Jahre in Ungarn ist das in Esztergom aufgenommene Bild eines Tauchers. Das pulsierende Leben in Paris bedeutete für ihn eine Erfrischung, seine Aufnahmen erschienen in den Illustrierten „VU” und „Art et Médecine”. In dieser Zeit entstand seine bekannteste Aufnahme, „Die Gabel”. Sein Lebensabschnitt in Amerika begann nicht ohne Schwierigkeiten, aber schließlich nahm Beaumont Newhall, Direktor der Fotografieabteilung der MoMA, den Künstler unter seine Fittiche.

André Kertész arbeitete für weltberühmte Magazine wie „Harper's Bazaar”, „Vogue”, „Life” oder „Look”. Obwohl er zu seinen Lebzeiten Anerkennungen verschiedenen Ranges erhielt, plagte ihn ständig die Sehnsucht nach Ruhm. Der als der Vater des Fotojournalismus geltende Künstler wurde von zahlreichen Fotografen als inspirative Quelle bezeichnet, Henri Cartier-Bresson äußerte sich zum Beispiel Anfang der dreißiger Jahre wie folgt über André Kertész: „Wir alle schulden ihm etwas.“

Die höchstrangige künstlerische Bildungseinrichtung Ungarns, die Universität für Angewandte Kunst in Budapest, trägt den Namen von László Moholy-Nagy. Nach dem Sturz der Räterepublik 1919 hatte László Moholy-Nagy – obwohl er selbst an den revolutionären Geschehnissen nicht teilgenommen hatte, – das Gefühl, dass ihn nichts mehr im Land hält. Deshalb ging er zuerst nach Wien, dann nach Berlin. Seine internationale Laufbahn begann, als 1923 Gründer Walter Gropius ihm die Stelle des ausscheidenden Johannes Itten als Professor am Bauhaus anbot.

Im Sinne der „Neuen Vision” verkündete László Moholy-Nagy, dass die Fotografie dazu fähig sei, eine völlig neue Sichtweise zu vermitteln, die dem Auge verschlossen ist. László Moholy-Nagy arbeitete auf zahlreichen Gebieten der Kunst, er beschäftigte sich mit Bildhauerei, Malerei, mit Fotomontagen und Metallformung, ihn interessierten aber auch der Film und die Lithografie. Sein Name ist mit dem Fotogramm verbunden, er hat viel erneuert und viel experimentiert. 1937 wurde László Moholy-Nagy Direktor des New Bauhaus in Chicago. Diesen Posten bekleidete er ganz bis zu seinem Tod im Jahre 1945.

„Denke nach, bevor du exponierst“. Das zu einem geflügelten Wort gewordene Motto des in Klausenburg (Cluj, heute Rumänien) geborenen Márton Munkácsi hat nicht an Aktualität verloren. Sein Rat wurde von absoluten Größen der Fotografie befolgt wie von Henri Cartier-Bresson, der sich wegen eines Bildes von Munkácsi, das badende afrikanische Kinder zeigt, diesem Beruf zuwandte. Márton Munkácsi wurde in Berlin von einem der größten europäischen Buch-, Illustrierten- und Zeitungsverlage, dem Ullstein-Verlag, unter die Fittiche genommen. Weltruhm erwarb er sich in Amerika, vor allem wegen seiner revolutionären Neuerungen auf dem Gebiet der Modefotografie: Márton Munkácsi brachte seine Modelle  aus dem Atelier hinaus und fotografierte sie in natürlicher Umgebung. Er schuf aber auch den Begriff des Starfotos; Berühmtheiten wie Marlene Dietrich, Katharine Hepburn oder Louis Armstrong standen vor seiner Linse.

Auch Brassaï, der unter dem Namen Gyula Halász das Licht der Welt erblickte, wurde im Ausland berühmt. Der in Kronstadt (Brasov, heute Rumänien) geborene Künstler, der sich zu Beginn seiner Laufbahn mit Malerei und Bildhauerei beschäftigte, zog im Alter von 25 Jahren nach Paris, wo er sein gesamtes weiteres Leben verbrachte. Er begann als Journalist auf den Straßen der französischen Hauptstadt, die ihn sofort in ihren Bann zogen; seine Aufnahmen vom Pariser Nachtleben machten ihn auf einen Schlag weltberühmt. Auch seine Porträts müssen hervorgehoben werden, unter anderem haben Dalí, Picasso, Giacometti und Matisse mit Brassaï zusammengearbeitet. Materielle Sicherheit erlangte er durch Aufträge des Magazins „Harper's Bazaar”, der Fotokünstler hat aber auch siebzehn Bücher und unzählige Artikel verfasst.Sein 1956 gedrehter Film „Tant qu'il y aura des bêtes“ holte sich auf dem Filmfestival von Cannes den Preis für das originellste Werk.

(Exklusivartikel für die Ratspräsidentschaft von "Múlt-kor", der Internetseite für Geschichte)