
Die abends um neun Uhr beginnenden Programme werden an drei Orten statt finden: Dem Teátrum, im Halle „B“ und im Freien. Es lohnt sich allerdings, früher zu kommen, da im Park Nicht Existierende Dinge ausgestellt werden. Die keineswegs alltägliche Kunstausstellung wurde von Mihály Buzás, Analytiker fiktiver Gegenstände und von Zoltán Zugmann, dem korinthischen Säule der degenerativen ungarischen Dramatik sowie Erzsébet Túri, der Kostümbildnerin des Budapester Operettentheaters aus Gegenständen zusammengestellt, die in unserem Wortschatz eine organische Bedeutung haben, von denen allerdings nicht sicher ist, dass wir sie mit unseren eigenen Augen schon einmal gesehen haben. Der Silvesterspaß kann also mit dem „leisesten Dunst“ beginnen und - nachdem wir uns eine Vorstellung von ihn gemacht haben - kann die Feier mit den Konzerten verschiedener Bands fortgesetzt werden, die weitaus prosaischere Namen tragen als die eben bezeichneten Dinge.
Die Liste der Gäste ist erlesen und bedient eine breite Palette an Musikgeschmäckern. Während das Dresch-Quartett die Grenzen des Jazz auslotet, stellen Balkan Fanatik unsere an Kodály und Bártok orientierte Vorstellung von Volksmusik auf elektronische Füße - was lediglich eine angemessene Aufwärmung ist für die anschließende Buda-Folk-Band. Danach bringt Presidance uns in den „Transit“ - was auch der Name ihres neuesten Showprogrammes ist, in dem sie die leeren Stunden der Wartezeit am Flughafen mit Spannung, Humor und neuinterpretierten internationalen Volkstänzen füllen. Auf die Tänzer folgen die klassische, nationale und moderne Rhythmen vermischende und dabei bewusst eklektische Musik spielende Edina-Mókus Szirtes und Fabula Rasa. Schliesslich wird die Budapest Bar mit Vertretern zeitgenössischer ungarischer Pop- und Rockmusik, Filmschlagern, Couplets und Tanzliedern eröffnet.
Im Rahmen der Silvesterparty unterhalten auch zahlreiche ausgezeichnete ausländische Künstler die hochverehrten Gäste. Als Erster tritt der Geiger und Sänger Mazz Swift auf, der nicht nur ein hervorragender, den Schwarzen Gurt tragender Hapkidomeister und Fitnessfanatiker ist, sondern auch Computerspiele kennt und ohne mit der Wimper zu zucken drei Teller Nockerln isst. Der Jazz-Pianist Brian Kellock wird auf jeder Bühne der Welt gerne gesehen, obwohl er selbst sich in einem Pub in Edinburgh im Freundeskreis am wohlsten fühlt. Der Brasilianer mit japanischen wurzeln, João Egashira dagegen ist nicht nur ein herausragender Pianist, sondern kann sogar schlechtgelaunte Kellner zähmen.
Um Mitternacht kann die Hymne im Licht des Feuerwerks gesungen werden, die Stimmung wird zudem von Feuerjongleuren gehalten. Auf dem virtuellen Platz von Gergő Borlai und Ági Szalóki spielt der auf die aus Chats und Emails gesammelten ungarischen, zigeunerischen und türkischen Liedern sowie Gedichte zeitgenössischer ungarischer Dichter setzende Elektroakustiker Kishúga bereits im Jahr 2011. Dank Heaven Street Seven ist es fast sicher, dass wir erfahren, wo „dieser crazy Kerl“ ist, wie wir nach „Südamerika“ ankommen und auch die „Régi Nóta“ [altes Lied] wird erklingen – es liegt also nicht an Krisztian Szűcs, ob das neue Jahr – zumindest für eine kurze Zeit – tatsächlich zum Paradies wird.