
Die UN-Hauptversammlung beschloss vor zehn Jahren, den 20. Juni zum Welttag der Flüchtlinge zu erklären. Aus Anlass des nahenden Jubiläums lud die ungarische Ratspräsidentschaft hochrangige Beamte der Aufnahmeländer von Flüchtlingen, Mitarbeiter von internationalen Organisationen und Flüchtlingsexperten zu einer Konferenz ein.
János Hóvári führte in seiner Eröffnungsrede aus, dass „wir am Welttag der Flüchtlinge derer gedenken sollen, die wegen ihrer Nationalität, Religion, ihrer sozialen oder gesellschaftlichen Zugehörigkeit Verfolgungen ausgesetzt sind und deshalb in ihrer Heimat nicht den erforderlichen Schutz erhalten“. Nach Meinung des stellvertretenden Staatssekretärs gilt dieser Tag auch den Mitarbeitern, Helfern und Freiwilligen von humanitären Organisationen, die „unermüdlich daran arbeiten, dass die Flüchtlinge, die Heimatlosen einen würdevollen Platz in der Welt finden“.

Humanitäre Hilfe in Mitteleuropa
János Hóvári erinnerte in seiner Rede mit Bezug auf die großen mitteleuropäischen Flüchtlingswellen: „Während des Zweiten Weltkriegs nahm Ungarn ungefähr 60 000 polnische Flüchtlinge auf, dann sind infolge der bewaffneten Intervention der Sowjetunion nach der ungarischen Revolution 1956 ungefähr 200 000 Ungarn über Österreich und das damalige Jugoslawien geflüchtet, um letztendlich auf vier Kontinenten Asyl zu erhalten.“ Der stellvertretende Staatssekretär sprach den Ländern, die seinerzeit ungarische Flüchtlinge aufnahmen, seinen Dank für ihre großzügige Hilfe aus. „Das werden wir ihnen nie vergessen“, sagte Hóvári.
Der stellvertretende Staatssekretär erinnerte auch daran, dass Ungarn zu Beginn der 1990er Jahre annähernd 70 000 Menschen Asyl bot, die vor den Kriegen in Jugoslawien flüchteten.
János Hóvári machte die Teilnehmer auch auf die gleichzeitig mit der Konferenz eröffnete Ausstellung „Landstraße der Völker“ aufmerksam, die die Ereignisse in Jugoslawien aufarbeitet. Er bat die Teilnehmer, sich in den Konferenzpausen die Bilder anzuschauen, schließlich „sagt eine Fotoausstellung viel mehr als alle Worte“.
Die Rolle der Revolution 1956
Gottfried Köfner, Leiter der Regionalvertretung für Mitteleuropa des UN-Flüchtlingshochkommissariats, machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass die Folgen der ungarischen Revolution von 1956 bedeutend zur Herausbildung der gegenwärtigen internationalen Handhabung von Flüchtlingsangelegenheiten beigetragen haben. „Die Lösung der Situation der nach der niedergeschlagenen Revolution eintreffenden 200 000 Flüchtlinge aus Ungarn war ein einzigartiges Beispiel für die internationale Solidarität, Koordinierung und Zusammenarbeit“, hob Gottfried Köfner hervor.
Nach Meinung des UN-Beamten waren die Ereignisse von 1956 auch deswegen von herausragender Bedeutung, weil die Behörden damals zum ersten Mal den Status der Flüchtlingsgruppe angewendet haben. Dies ist seither bei der Handhabung von Flüchtlingsströmen zu einem akzeptierten Mittel geworden.

Neue Herausforderungen
Gottfried Köfner betonte, dass viele Krisen noch gar nicht gelöst und unterdessen überall auf der Welt neue im Entstehen begriffen seien. Darunter sei es insbesondere die nordafrikanische Krise, die globale Antwortschritte erforderlich mache.
Gegenwärtig sind weltweit mehr als 43 Millionen Menschen gezwungen, fern von ihrer Heimat zu leben. Nach Ansicht des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen ist es besonders besorgniserregend, dass ungefähr ein Drittel der Flüchtlinge Minderjährige sind, viele davon unbegleitete Kinder.
Auf der Budapester Konferenz äußerte Gottfried Köfner die Meinung, dass sowohl das europäische als auch das internationale Flüchtlings- und Asylsystem in den letzten Jahren eine bedeutende Entwicklung durchgemacht habe. Dennoch sei noch immer sehr viel zu tun. Der Beamte der Vereinten Nationen brach eine Lanze für die Schaffung des einheitlichen europäischen Asylsystems, schließlich „müssen die Länder in der gegenwärtigen globalisierten Welt eine einheitliche Lösung für das Flüchtlingsproblem finden“.