
„Wir möchten ein gemeinsames Ergebnis vorweisen, und dafür müssen wir mit sportlicher Disziplin kämpfen“, antwortete Attila Czene auf die ersten Beiträge der Mitgliedsstaaten. Nach Meinung des Staatsministers können die in der Strategie Europa 2020 genannten Zielsetzungen ohne ein Rahmenprogramm für den Sport nicht verwirklicht werden. Dazu jedoch müssten die Mitgliedsstaaten prüfen, welchen Anteil ihres BIP sie für den Sport ausgeben. Attila Czene ging gesondert auf die gesellschaftliche Rolle des Sports und auf die Bedeutung der Bewegung im Alltag ein.
Die Mitgliedsstaaten begrüßten die Bestrebungen der ungarischen Ratspräsidentschaft und hielten fest: „Es darf nicht sein, dass der Sport der Wirtschaftskrise zum Opfer fällt.“ Sie betonten in ihren Beiträgen: Der Sport sei auch für eine bessere Lebensqualität wichtig und spiele bei der Bewahrung der Gesundheit sowie bei der sozialen Integration insbesondere im Falle von Migranten und Behinderten eine bedeutende Rolle. Mehrere Mitgliedsstaaten hoben hervor: „Obwohl wir im Zeitalter der Einschränkungen leben“, hätte es in der derzeitigen knappen wirtschaftlichen Lage einen symbolischen Wert, wenn es gelingen würde, bis 2014 ein Rahmenprogramm für die Europäischen Unionzu schaffen, das auch Mittel für den Sport beinhaltet.
Die Finanzierung im Brennpunkt
Einige Mitgliedsstaaten machten darauf aufmerksam, dass der gemeinsame EU-Haushalt in einer Zeit der wirtschaftlichen Konsolidierung wahrscheinlich nicht erweitert wird und es deshalb realistischer wäre anzustreben, den Sport in bereits bestehende Finanzierungsmechanismen einzufügen. Die besten Ressourcen für den Sport seien auch weiterhin die Strukturfonds bzw. die Sozialfonds. Mehrere betonten, dass diese Finanzierungsmöglichkeiten noch besser ausgeschöpft werden könnten als bisher, ebenso wie Initiativen der Kommission wie zum Beispiel „Jugend in Bewegung“.

Laut Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur und Jugend sowie für Mehrsprachigkeit, „müssen wir zugleich realistisch und ambitiös sein“. Die Kommissarin befürwortete die von den Mitgliedsstaaten vorgebrachten Vorschläge und hob hervor: Nicht die Kommission, sondern die Mitgliedstaaten hätten die Prioritäten zu bestimmen. Zugleich war sie der Meinung, dass die Möglichkeit der Schaffung eines gesonderten Sportfonds nicht aufgegeben werden dürfe, da der Themenbereich Sport immerhin auch im Vertrag von Lissabon angeführt wird. „ Wir müssen dies tun, wenn wir an den Sport glauben“, fügte sie hinzu.
Kampf gegen Doping
So wie überall auf der Welt stellt auch in Europa der Kampf gegen das Doping die größte Herausforderung im Sport dar. Attila Czene machte deutlich, dass Europa annähernd die Hälfte des Budgets der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) stellt, bei den Entscheidungen jedoch keinen derartigen Einfluss hat. „Im Gründungsrat streben wir nach einer besseren, auf fachlichen Grundlagen fußenden Vertretung und Kontinuität“, sagte Attila Czene und fügte hinzu: Er würde in der Organisationgern erfahrenere Vertreter mit längeren Mandaten sehen, die die Interessen der EU entsprechend vertreten. Die Europäische Union ist gegenwärtig mit drei Mitgliedern im Gründungsrat der WADA vertreten; in das höchste Entscheidungsgremium der Organisationwerden zwei Mitglieder von europäischen Nicht-EU-Mitgliedstaaten delegiert. Im Sinne der Vorschläge würde ihr eineinhalbjähriges Mandat auf drei Jahre verlängert werden. Die Vertreter der Mitgliedsstaaten legten zu dieser Frage zahlreiche Anträge vor, laut Attila Czene ist eine Stellungnahme des Rates erforderlich, deren Vorbereitung der polnischen Ratspräsidentschaft obliegen wird.
Ein erfolgreiches Treffen
Der Vortrag von Sarolta Monspart, Weltmeisterin im Orientierungslauf, über die körperliche Bewegung brachte Farbe in die Sitzung, sie regte die Minister durch ihren Vortrag zum gemeinsamen Turnen an, um auch damit die positiven physiologischen Wirkungen des Sports spürbar zu machen.
Attila Czene hob auf der Pressekonferenz nach der Sitzung zusammenfassend hervor: „Die Ratspräsidentschaft hat ihr Ziel erreicht, weil es gelungen ist, die von den Sportverantwortlichen der 27 Mitgliedsstaaten unterbreiteten Vorschläge kennen zu lernen, die für die künftigen gut fundierten Entscheidungen in der Sportpolitik der Europäischen Union unerlässlich sind.“ Darüber hinaus hielt der Staatsminister auch den Meinungsaustausch über den Kampf gegen Doping und über den Seniorensport für nützlich.
Auch Kommissarin Androulla Vassiliou bezeichnete die Sitzung als Erfolg: „Es hat sich für mich erwiesen, dass die informellen Sitzungen viel konstruktiver sind als die formellen.“
Die Sportminister erhielten vor ihrer informellen Sitzung ein ganz besonderes Geschenk: einen „sehenswerten, spannenden Film voller Gefühle über den brillantesten Fußballstar, über Ferenc Puskás“.