
Péter Györkös ist der bei der Europäischen Unionakkreditierte Botschafter Ungarns. Der Diplomat leistet seinen Dienst dort, wo er von seinen Vorgesetzten eingesetzt wird; Péter Györkös ist jedoch auch durch „persönliche Bande” mit seiner jetzigen Aufgabe verbunden: Seit nunmehr zwanzig Jahren beobachtet er aus greifbarer Nähe den Prozess der europäischen Vereinigung und arbeitet auch innerhalb seines jeweiligen Aufgabenbereiches daran. Als Ungarn 1989 den ostdeutschen Flüchtlingen die Grenzen zu Österreich öffnete, formulierte er als junger Diplomat die offizielle Note zu dieser Sache. Später begleitete er als DDR-Referent des Außenministeriums aufmerksam aus unmittelbarer Nähe den historisch wichtigen Prozess der deutschen Vereinigung, die ein bedeutender Schritt der Öffnung der Europäischen Unionnach Osten gewesen war, bis zu Ende. Als Sekretär der Delegation nahm er an den Verhandlungen über den Beitritt Ungarns teil; in den letzten Jahren dagegen war er Botschafter Ungarns in Kroatien, einem Land, das voraussichtlich der 28. Mitgliedstaat der EU werden wird.
Ein Botschafter hat die Aufgabe, die Beziehungen zwischen zwei souveränen Staaten, seiner Heimat und dem ihn aufnehmenden Staat, zu pflegen. In der Europäischen Unionnehmen die ständigen Vertreter im Range der Botschafter der Mitgliedsstaaten jedoch an den gemeinsamen Entscheidungsprozessen teil, wobei sie die Interessen ihrer Heimat den Standpunkt ihrer Regierung vertreten.
Péter Györkös, der erfahrene Diplomat, der 47 Jahre alt ist und zahlreiche europäische Sprachen spricht, ergreift leidenschaftlich Partei gegen die oft formulierte Meinung, dass Ungarn mit seinem Beitritt zur Europäischen Unioneinen Teil seiner Souveränität aufgegeben hätte: „Wir haben nichts aufgegeben. Es geht darum, dass wir einen Teil unserer Souveränität als Mitglied der Europäischen Union, gemeinsam mit den anderen 26 Ländern ausüben. Gemeinsam mit solchen großen Nationen wie Großbritannien, Frankreich oder Deutschland, die auf ihre Geschichte und ihre Traditionen nicht minder stolz sind. In der Folge kommt es vor, dass wir – ähnlich wie sie – unseren Standpunkt nicht in vollem Umfang geltend machen können, jedoch können wir als Teil des europäischen Interessensystems unsere nationalen Interessen mit einem größeren Gewicht vertreten, als wenn wir allein danach streben würden.”
